Aus aller Welt nach Kristiansand

Aus aller Welt nach Kristiansand

Die norwegische Kommune Kristiansand ist mit der wichtigste Anlaufpunkt für deutsche Touristen um nach Südnorwegen zu gelangen. Wie eine Stadt mit steigenden Gästezahlen und den völlig unterschiedlichen Anforderungen von Kreuzfahrt- und Fährtouristen umgeht.

Der dunkle Teer hebt sich deutlich von den verblichenen Straßenbelägen ab. Vereinzelt fehlen noch Markierungen, einige Absperrungen stehen hier nur provisorisch. Am Eingang zur Anlegestelle steht hinter Bauzäunen ein kleines rotes Holzhäuschen: Weiße Fensterläden, knallroter Postkasten. Eine vollausgestattete Touristinfo entsteht hier erst in den nächsten Wochen. Ein paar Meter weiter stehen ein Dutzend Männer und Frauen in signalgelben Westen. Ihr Blick geht zum Horizont. Die Silhouette der Costa Favosa zeichnet sich langsam am Horizont ab. Meter um Meter kämpft sie sich durch die Wellen, an den anderen Schiffen im Hafen vorbei, und nimmt Kurs auf die Arbeiter.

Noch ist jedes Schiff das einfährt eine kleine Sensation. Erst seit wenigen Tagen ist die neue Anlegestelle in Betrieb. Eine größere musste her, fahren schließlich immer größere Kreuzfahrtschiffe den Hafen an. Außerdem brauchte die Stadt Kristiansand die alte Anlegestelle für die Stadtentwicklung. Darum steht auch Randi Haukom an diesem Tag am roten Häuschen und reibt sich nervös die Hände. Sie ist die Tourismuschefin im Ort und sorgt dafür, dass die Kreuzfahrt in Kristiansand boomt – und dass es an der provisorischen Touristinformation läuft, alle Gäste wissen, wohin sie in den nächsten Stunden an Land gehen können, jeder seinen Ausflugsbus findet. Während die ersten Kreuzfahrer die neue Anlegestelle entlangschlendern,  packt sie mit ihren Kollegen eilig die neuen Prostpektbehälter aus, füllt alles um, hält alles bereit für den großen Andrang.

Dank der intensiven Werbung von Randi Haukom werden heuer  150 000 Kreuzfahrer in Kristiansand erwartet. Für die Kreuzfahrtindustrie ist Kristiansand praktisch. Der Trend geht dazu, dass die Schiffe spritsparend über Nacht von Hafen zu Hafen fahren, sagt Randi Haukon. Da ist Kristiansand ein perfektes Zwischenziel zwischen Oslo und Bergen. Der Anstieg ist aber nicht alleine Kristiansand zu verdanken. Der Trend geht zur Kreuzfahrt. Die Industrie boomt und Reisen in sichere Länder wie Norwegen sind beliebter denn je. Der jüngst erschlossene Markt ist China.

Mit 150 000 Gästen begnügt sich das Terminal etwa einen Kilometer weiter westlich nicht. Die Fähren der Anbieter ColorLine und Fjord Line, die vom dänischen Hirtshals in das norwegische Kristiansandegen fahren, legen hier mehrmals täglich an und ab; spucken Hunderte Touristen, Autos, Busse und Lkw aus. Es ist seit vielen Jahren dasselbe Prozedere. Aber auch im Fährterminal ist die Zeit nicht stehen geblieben. Das wird im Büro von Nina Moland Andersen, der Verkaufs- und Marketingleiterin von ColorLine deutlich. Die junge Frau hat von ihrem Büro aus seit 2007 den perfekten Rundblick auf das Meer und den Hafen.

Waren es in den 1990er Jahren, als Colorline ihre Verbindungen in Kristiansand startete, noch kleinere, ältere Schiffe, sind es heute riesige Fähren. Mit Restaurant, Shoppingmöglichkeiten, Bar und Lounge. Etwa 100 Beschäftigte kümmern sich um rund 2000 Gäste und 700 Autos. 1990 Lademeter stehen für Lkw und Busse bereit. Die Gäste kommen überwiegend aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Jährlich nutzen 1,3 Millionen Gäste den Fährterminal in Kristiansand. Er zählt zu den wichtigsten Verbindungen nach Südnorwegen und ist die günstigste und schnellste Möglichkeit, um von Deutschland aus Norwegen zu erreichen.

Zwei Anlaufstellen für Touristen, zwei völlig unterschiedliche Arten, die Zeit in Norwegen zu verbringen. Nina Moland Anderson sagt, dass die Gäste der Fährlinien meist mehrere Wochen in Norwegen bleiben, in die Natur fahren, hier übernachten, essen, einkaufen – Umsatz für die Region. Diese Erfahrungen macht auch Harald Myhre, Passagier-Chef auf der Superspeed 1, einer Fähre der Gruppe ColorLine. Er sorgt dafür, dass es den Passagieren auf seinem Schiff gut geht, und weiß genau, wer warum die Verbindung von Dänemark nach Südnorwegen wählt.

Anders als die Fährpassagiere bleiben Kreuzfahrttouristen nur wenige Stunden in Kristiansand. Zeit ausgiebig das Umland zu besuchen bleibt in den seltensten Fällen. Randi Haukom entwirft für ihre Kreuzfahrer aus aller Welt darum ständig neue Routen und Touren – kurze Trips – die den Gästen binnen weniger Stunden im Schnelldurchlauf die Region zeigen.

Allerdings zählt nicht nur der Umsatz des Hafens: Die Kreuzfahrer essen, trinken und schlafen an Board. „Wir versuchen schon die Touristen in Restaurants, Cafés und Geschäfte zu locken und sie dazu zu bewegen, dort einzukaufen“, sagt Randi Haukom. Manchmal klappt es. Es gebe aber auch einige Beschwerden von den Geschäften, dass sie mit den Kreuzfahrern keinen Umsatz machten.Die meisten Kreuzfahrer nutzen den Ausflug an Land trotz aller angebotenen Touren für Sightseeing in Kristiansand.

Schwierig für Kristiansand, die Fährunternehmen und den Hafen sind neben den unterschiedlichsten Anforderungen der Touristen außerdem die saisonalen Schwankungen. Kreuzfahrtsaison ist nur von Mai bis Oktober. Viele Fähren bleiben im Winter leer. Die Kommune Kristiansand versucht in dieser Zeit, Wintersportler anzulocken.Bis es Winter ist, ziehen allerdings noch ein paar Monate ins Land, werden noch viele Fähren und Kreuzfahrtschiffe anlegen und Touristen ins Land bringen. Sie werden entweder am Büro von Nina Moland Andersen vorbeikommen oder am roten Häuschen von Randi Haukom und nach einem Trip durchs Land oder einigen Stunden in Kristiansand wieder auf ihre Schiffe zurückkehren und in die hohe See aufbrechen.


PNP-Redakteurin Johanna Pfingstl reiste auf Einladung von Visit Norway und Visit Southern Norway und im Rahmen des Nachwuchspreises Talents2Norway nach Kristiansand und die Region Sørlandet.