Written by Daniel Ober

Er bringt Biathleten in die Spur

Er bringt Biathleten in die Spur by Daniel Ober

Damit Biathleten ihr Bestes in der Loipe geben können, müssen viele Faktoren stimmen: körperliche Form, Skiwachs, äußerlich gute Wettkampfbedingungen und auch eine einwandfreie Loipe. Um Letzteres kümmert sich der 26 Jahre alte Fritz Fischer aus Ruhpolding, jüngster Sohn der gleichnamigen Biathlon-Legende, beim Weltcup in Ruhpolding (Lkr. Traunstein).

Hinweis für Eilige: Am Ende des Artikels gibt es den vollständigen Videobeitrag

Fischer sitzt lässig in seiner Pistenraupe. Eine Hand am Steuerknüppel, die andere an einem Lenkrad. Sein riesiger Pistenbully kämpft sich auf Ketten eine Kuppel hinauf. In der Fahrerkabine ruckelt es stark, die Ketten erzeugen ein lautes Rattern, wenn sie sich drehen und in den Schnee greifen, um Halt zu finden.

Oben auf der Kuppel angekommen, blickt Fischer einen steilen Berg hinab. „Das ist die Wand, die berühmt berüchtigte. Die ist man früher hochgelaufen, und anscheinend war es den Biathleten doch ein bisschen zu steil. Jetzt fährt man sie halt runter“, erzählt der 26-Jährige. Er kennt die Weltcup-Strecke in Ruhpolding in und auswendig, vielleicht sogar besser als die Biathleten, die derzeit ihre Wettkämpfe darauf austragen. Als Pistenraupenfahrer sorgt er seit sieben Jahren dafür, dass die Sportler immer in der perfekten Spur sind.

Zu den Biathleten, die derzeit in Ruhpolding um Podestplätze kämpfen, könnte Fischer heute auch gehören. Er war eigentlich schon auf den Spuren seines Vaters Fritz Fischer auf dem Weg zu einem Top-Biathleten. Pfeifferisches Drüsenfieber setzte seinen Träumen vom Profisport jedoch im Alter von 14 Jahren ein Ende. Ein Jahr lang musste er sich mit der Krankheit plagen. „Das war die Zeit des Umstiegs auf Kleinkaliber-Gewehre, da war der sportliche Leistungsdruck schon sehr hoch. Da sollte aufkommen, wer den Sprung nach oben schafft. Mit dem pfeifferischen Drüsenfieber konnte ich aber nicht mehr nach vorne aufschließen und hab dann keinen Bock mehr gehabt“, erzählt Fischer.

Große Traurigkeit kam bei dem Ruhpoldinger jedoch nicht auf, sondern er erfüllte sich einen anderen „Kindheitstraum“: Pistenraupenfahrer werden. Bereits mit zehn Jahren saß er erstmals hinter dem Steuer einer solchen Maschine. „Ich bin mit Papa schon immer mitgefahren, hier in der Chiemgau-Arena“, erzählt er. Er sei schon damals fanatisch auf Maschinen gewesen, „das möchte ich später mal machen“, sagte er als zehnjähriger Bub.

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Heute ist dieser Traum wahr geworden. Fischer ist einer von zwei selbstständigen Fahrern, die die Loipe in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena spuren. Die Gemeinde Ruhpolding hat ihn für diese Aufgabe engagiert. Einen besonderen Führerschein musste er dafür nicht machen – „wenn man sagt, man hat Lust drauf, kann man das einfach machen“, sagt Fischer. Während der Sommermonate fährt er Bagger.

Um nun während des Weltcups für optimale Verhältnisse auf der Loipe zu sorgen, muss Fischer ungünstige Arbeitszeiten in Kauf nehmen. Zu der Zeit, wenn kaum noch Menschen in der Arena sind, sondern in Richtung Dorf wandern, um zu feiern, fängt Fischer an. Auch die anderen Mitarbeiter der Arena verabschieden sich am späten Abend, wenn Fischer mit seiner Arbeit beginnt, schon in den Feierabend. Zusammen mit einem Kollegen in einer zweiten Raupe kümmert er sich dann um die 3,3 Kilometer lange Strecke. Ihre Arbeitsgeräte sind große Pistenraupen. Mindestens 350.000 Euro kosten diese, „danach ist open end“, sagt Fischer.

Es gibt genaue Vorgaben, an die sich Fischer und sein Kollege beim Spuren halten müssen: Sechs Meter breit und mindestens einen halben Meter hoch muss die Strecke sein. Pro Runde brauchen die Pistenraupenfahrer rund 15 Minuten, zwei Runden fahren sie normalerweise pro Nacht. „In der ersten Runde machen wir die ganzen groben Buckel wieder raus, die die Langläufer am Tag fabriziert haben. Ab der zweiten Runde fangen wir dann an, den Feinschliff zu machen“, erklärt Fischer. Dabei fährt einer in einer Raupe mit schweren Ketten voraus, dahinter folgt direkt die zweite Raupe mit für den Untergrund schonenderen Gummiketten.

Bei Sturm und starkem Schneefall kann es vorkommen, dass Fischer und sein Kollege öfter ausrücken müssen, im schlechtesten Fall auch nochmal am Vormittag vor den Rennen. Den Biathleten ist das allerdings nicht wirklich Recht, da der Schnee unter ihren Skiern in diesem Fall dann aufgelockert ist. Tritt einmal der andere Fall ein und es liegt nicht genügend Schnee, um die Piste den Vorgaben entsprechend zu spuren, kann Fischer auf ein Kunstschnee-Depot zurückgreifen, in dem das ganze Jahr über Schnee eingelagert wird. Dank dieser Reserve kann in Ruhpolding jährlich schon ab Mitte November die Loipe präpariert werden.

Kurve um Kurve und Hang um Hang arbeitet sich Fischer mit seiner Raupe vor. Gegen die Scheibe seiner Fahrerkabine prasseln dicke Schneeflocken, Regen soll in der Nacht folgen. „Könnte sein, dass wir heute länger unterwegs sind“, meint Fischer nach der ersten Runde. Wenn dann am nächsten Tag die Athleten beim Rennen nicht sanft auf den Skiern über den Schnee gleiten, soll es nicht an ihm liegen: „Dann haben die Wachser was falsch gemacht“, lächelt Fischer.

Der vollständige Videobeitrag über Fritz Fischer