Written by Daniel Ober

Das FIFA-Wunderkind

Das FIFA-Wunderkind by Daniel Ober

Im Konfettiregen stemmt er die Meisterschale in die Höhe und nimmt einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro entgegen. Zuschauer jubeln ihm zu. Millionen Menschen verfolgen den Erfolg live im Fernsehen. Daniel Butenko ist Deutscher Fußballmeister. Er hat die Bundesliga allerdings nicht auf dem Rasen gewonnen, sondern an der Playstation in München. (Für Eilige: Am Ende des Artikels gibt es einen kompletten Videobeitrag über Daniel Butenko)

Daniel Butenkos Aufstieg in der Gamer-Szene ist kometenhaft. Mit 15 Jahren nimmt er an einem Qualifikationsturnier in Köln für die FIFA-Weltmeisterschaft 2015 teil und wird Erster. „Plötzlich stand ich in München bei der FIFA-Weltmeisterschaft“, erzählt Butenko. 20 Spieler aus aller Welt treten an, Butenko für Deutschland. Bei seinem ersten großen Turnier erreicht der Senkrechtstarter gleich mal Platz vier. Wie stark diese Leistung ist, ist dem  heute 17-Jährigen aus Neumarkt St. Veit (Landkreis Mühldorf) anfangs noch nicht klar.

Die gute Leistung bei der WM befeuert Butenkos Karriere. Er wird von einer Agentur unter Vertrag genommen. Wie ein echter Fußballer bekommt er Gehalt für die schönste Nebensache der Welt. Rund 200 Euro verdient er mit dem Zocken wöchentlich, in guten Monaten kommt er auch einmal auf 1000 Euro. Für gewonnene Turniere gibt es extra Preisgelder. Allein von dem Geld, das Butenko beim Zocken verdient, möchte er nicht leben.

Dennoch würde er gerne einmal für einen Bundesligisten an der Konsole spielen. „Das ist der Wunsch eines jeden FIFA-Spielers. Wenn man immer im Fernsehen und überall im Internet ist, dann ist das perfekt“, meint Butenko. Der eSport, wie Sportspiele an der Konsole genannt werden, ist inzwischen so groß, dass Teams wie der VfL Wolfsburg oder der FC Ingolstadt eigene FIFA-Spieler engagieren.

Hauptberuflich macht der 17-Jährige eine Ausbildung zum Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn. Zuvor besuchte er die Realschule. In jungen Jahren spielte Butenko selbst noch im Verein Fußball. In seinem Zimmer zieren Dutzende Pokale und Medaillen die Regale. 2006  entdeckte er  den Fußball dann auch auf der Konsole.

Seine Lieblingsmannschaft im Spiel ist Real Madrid um Superstar Cristiano Ronaldo in der 4-2-3-1-Formation. Um zu gewinnen, reicht eine starke Mannschaft allein jedoch nicht aus. Butenko hat über die Jahre hinweg seine Sinne für den virtuellen Fußball geschärft. Noch ehe seine Gegner eine Aktion ausführen, durchdenkt er schon alle Möglichkeiten. Er versucht, seinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein.

In der Saison 2015/2016 nimmt er im Alter von 16 Jahren erstmals an der Virtuellen Bundesliga teil. Mit Real Madrid kann er hier nicht antreten. Stattdessen soll es mit dem 1. FC Ingolstadt klappen – ebenso ein Newcomer im Oberhaus des Fußballs  wie  Daniel Butenko im professionellen eSport.

Rund 300.000 Gamer haben an der Bundesliga-Saison teilgenommen. Bis zu 90 Spiele absolviert Butenko montalich von Oktober bis März 2015. Die 40 Spieler mit der besten Bilanz kommen in die Endrunde und treten dort in acht Gruppen mit jeweils fünf Spielern gegeneinander an – Butenko ist dabei. Ab nun werden die Partien live vom Bezahlsender Sky übertragen. Zunächst nur im Internet, ab dem Halbfinale dann auch im TV.

Die 16 besten Spieler rücken nach der Gruppenphase ins Achtelfinale vor. Locker kommt Butenko dort am Pfingstsamstag mit einem 5:2 nach Hin- und Rückspiel weiter, das Viertelfinale am selben Tag besteht er souverän mit 3:0. Auch wenn er selbst sagt, dass es am Tag darauf, den Pfingstsonntag, im Halbfinale richtig eng wurde, lässt sich das am Ergebnis nicht erkennen. Mit einem deutlichen 6:3 zieht er ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ein.

Nun trennen ihn nur noch zwei Spiele vom Titel. Es geht nicht nur um die Meisterschale, sondern zusätzlich um ein Preisgeld von 10.000 Euro. Millionen TV-Zuschauer verfolgen das Event zur besten Sendezeit am Pfingstsonntag in den Räumlichkeiten des Fernsehsenders Sky, darunter auch Butenkos Eltern und Freunde. „Ehrlich gesagt, war das ein geiles Gefühl“, sagt Butenko zu der großen Aufmerksamkeit.

Viele sagen, dass ich ein Wunderkind bin. Ich weiß nicht, was es ist, aber ich gewinne einfach.

Im Finale trifft Butenko auf den SV Darmstadt. Die Zuschauer toben, sie sehen ein Offensivspektakel auf Augenhöhe. Schon früh geht Butenko mit 2:1 in Führung. Trotz etlicher weiterer Angriffe bleibt es bei diesem knappen Endstand und somit einem leichten Vorteil für Butenko für das alles entscheidende Spiel. Wieder gibt es keinen klaren Favoriten, lange bleibt die Partie offen. Butenkos Gegner läuft pausenlos an, um ein Tor zu erzielen. Dank einer starken Defensive sichert Butenko das 0:0 − um dann in der 77. Spielminute den Sack zuzumachen. Er erzielt das 1:0. Sein Triumph ist besiegelt, die Fans stürmen die Bühne, Konfetti regnet von der Decke, Butenko hebt die Meisterschale in die Luft und nimmt seinen Scheck über 10.000 Euro entgegen.

Mit diesem Erfolg im Rücken sieht  Daniel Butenko seiner Zukunft im eSport nun zuversichtlich entgegen.

Mit so viel Selbstbewusstsein scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Butenko auch Titel im Trikot eines Bundesligisten einfährt.

Der komplette Videobeitrag über Daniel Butenko